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Dr. Josef Wimmer · February 16, 2022

Wie sehr hängen wir doch von der uns umgebenden Welt ab! Wenn unser Tag lichtdurchflutet beginnt, strahlt die Sonne auch in unserem Gemüt. Wenn er schon am Morgen trüb, windig und regnerisch ist, bringen wir kaum die Augen auf, fühlen uns matt und bringen außer den notwendigsten Verrichtungen nur wenig zustande…An geistige Höhenflüge ist dann erst recht nicht zu denken. Im Gegenteil: der Geist liegt so brach wie der Körper. Es fehlt die Inspiration, und Müdigkeit breitet sich aus…

„Woher kommt mir Hilfe?“ taucht da als geradezu existentielle Frage auf. Schon der Psalmist hat sie lange vor dem Beginn unserer Zeitrechnung gestellt (Ps 121, Vers 1).
Im nächsten Vers beantwortet er sie sogleich: „Meine Hilfe kommt von יהוה, der Himmel und Erde gemacht hat“.

In jeder Lage hilft die Vergegenwärtigung des unendlich kreativen gegenwärtig Seienden. Im Gewahren dessen, was ist, liegt die Antwort auch noch auf die bangste Frage. Das Gewärtigen des Gegenwärtigen hilft.

Sich daran zu erinnern ist Erste Hilfe schlechthin: die Augen gehen uns dabei auf, wir werden munter und sehen von einem Augenblick zum anderen die umgebende Welt „mit neuen Augen“: wie zum Beispiel an der gegenüber liegenden Hauswand ein fuchsbraunes Eichhörnchen hinaufläuft und auf dem obersten Balkon etwas Essbares zu erbeuten sucht!
Seiner Bewegung mit den Augen zu folgen bewegt Geist und Seele gleich mit.
Und schon ist die Müdigkeit verschwunden und die Welt wieder belebt!