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Dr. Josef Wimmer · March 14, 2022

Meine hochbetagte Tante lehrt mich: Je älter der Mensch wird, desto mehr fallen die Geschichten von ihm ab, die sein Leben auszumachen scheinen.

Was für Geschichten, stories, Narrative, Drehbücher sind das?

Es sind zum einen die Geschichten, die andere ihm/ihr über G’tt und die Welt erzählt haben und die er/sie geglaubt hat (religiöse Geschichten, wissenschaftliche, philosophische, theologische, politische, historische, genealogische und familiäre Geschichten usw.). All diese Märchen fallen vom Menschen ab wie die Blätter an einem Baum im Spätherbst.

Zum andern sind es die Geschichten, die er/sie sich zeitlebens über sich selbst erzählt und an die er/sie geglaubt hat: Wer oder vielmehr wie er/sie sei, woher er/sie komme und wohin gehe.

Alle Identifikationen und Identitäten lösen sich auf und werden zunichte, bis nur noch das nackte Leben in der Asche des Gewesenen übrig bleibt: Ich bin. Ich atme. Ich weiß.

Und G’TT übrig bleibt! Ohne die Geschichten über G’tt! Nur noch die EINE LIEBENDE PRÄSENZ: יהוה . ICH BIN DA.

Wenn ich schwinde, bleibt Wissen, Atmen, Sein. Saccidananda. G’TT. Brahman. अव्यक्तब्रह्मन्