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Dr. Josef Wimmer · June 25, 2022

Am ersten Sommermorgen, 22. Juni 2022, ca. 5:00 (Sommerzeit)

Am ersten Sommermorgen, 22. Juni 2022, ca. 5:00 (Sommerzeit)


Während eines unserer mehrwöchigen Aufenthalte in Chantemerle in den 70er Jahren luden Gudrun und ich einige der dort inzwischen gewonnenen Bekannten zu einem festlichen Abendessen ein. Mit einem achtgängigen Menu de la Voie Octuple wollten wir sie überraschen. Einer der Gäste, ein noch sehr junger, gutaussehender Mann, hatte uns schon bei der ersten Begegnung mit seinem Lebensmotto in Erstaunen versetzt. Wir nannten ihn „Le jeune homme qui ne voulait pas laisser des traces“, denn genau das wollte er: keine Spuren auf dieser Welt hinterlassen, kein neues Karma erzeugen…

Geht das überhaupt? Hinterlassen wir nicht einfach schon, indem wir DA SIND, eine Spur? Oder geht das schiere Dasein immer schon spurlos vorüber? Ist „Spur“ ebenso wie „Nicht-Spur“ ein Konstrukt unseres Geistes, unseres EGO?

Während ich auf dem Balkon im einigermaßen Trockenen sitzend diese Zeilen schreibe, donnert, blitzt, regnet und windet es „draußen“ kräftig. Hinterlässt ein Sommergewitter Spuren – so wie gestern in Moosburg nahe meiner Heimat, wo ein plötzlich hereinbrechendes Unwetter schlimme Zerstörungen angerichtet hat und sogar ein Mensch ums Leben gekommen ist?

ES IST ALLES EINFACH „NUR“ SO WIE ES IST. Keine Spur von Spuren. Vorübergang.

Der Regen nimmt an Heftigkeit zu. Ich bleibe aber noch an meinem Balkonplatz…
So wie ich jetzt sitze auf meiner Bank, bin ich nach wie vor trocken; nur ab und zu besprühen feine Regenwassertropfen meine Füße. Das Gewitter kommt und geht in Wellen. Sinuskurven…