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Dr. Josef Wimmer · July 12, 2022

Wie leben im Desaster?
Das ist und wird noch viel mehr die Frage in Zeiten wie diesen.

Wir werden viele Gewohnheiten aufgeben müssen, und wohl dem, der sich bereits in Bescheidenheit und Selbstbegrenzung (self-containment) übt.
Gewohnheiten können solche des Lebensstils, des Denkens oder auch des Umgangs mit anderen Menschen sein. Auf allen Ebenen, in allen Lebensbereichen gilt mehr denn je: „Simplify your life!“ und „Small is beautiful“.

Wir dürfen dabei durchaus zuversichtlich sein: so wie die Schönheit im Auge des Betrachters liegt, liegen auch Glück und Zufriedenheit in seinem bzw. ihrem Herzen. Beglückende Sinneserlebnisse und Begegnungen gibt es auch oder gerade in der Begrenzung, in der Konzentration, die gleichbedeutend ist mit innerer Sammlung.

Innere Sammlung ist das Antidot schlechthin zu jeder desaströsen Entwicklung, in der alles drunter und drüber geht und Chaos herrscht.
Indem du dich innerlich sammelst statt durch immer mehr Zerstreuung das innere und äußere Chaos zu mehren, lernst du, was wesentlich und wirklich lebensnotwendig für dich ist. Du hörst auf, dein Herz an Dinge, Tätigkeiten oder Menschen zu hängen, die dir deine Kraft rauben.
Die Besinnung auf das Wesentliche führt dich bald schon weg vom Materiellen und allem, was mit ihm verkoppelt ist. Es verliert seinen Reiz. Die Sehnsucht deines Herzens stillt es ohnehin nicht und hat es nie getan…

Die innere Sammlung führt dich unfehlbar hin zu יהוה, denn in ihrer Vollendung ist sie das EINSSEIN mit יהוה.

Mitten im Desaster üben wir also, uns zu sammeln – im Denken, Reden und Handeln, im Da-Sein. Innere Sammlung wird so zu einer Haltung, die uns im Desaster hilft zu leben: ausgerichtet auf יהוה.