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Der 1998 erschienene irisch-britisch-amerikanische Film „Tanz in die Freiheit“ (Originaltitel: „Dancing at Lughnasa“ wie das gleichnamige Bühnenstück des irischen Dramatikers Brian Friel, 1929-2015) spielt im Sommer 1936 im ländlichen Irland und erzählt die nicht untypische Geschichte einer Familie von fünf Schwestern und einem Bruder, die gemeinsam im abgelegenen Bauernhaus ihrer offenbar bereits verstorbenen Eltern leben. „Familienoberhaupt“ ist die älteste Schwester, Kate (gespielt von Meryl Streep), die als streng katholische Dorflehrerin das Geld für die andern verdient und ein unerbittliches Regiment führt, dem sich alle zu fügen haben. Eine der Schwestern hat ein lediges Kind, Michael, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird. Der Vater des Kindes ist ein liebenswürdiger Taugenichts, der gelegentlich vorbeischaut und viel verspricht, aber wenig hält. Jack, der als Missionar in Afrika gewirkt hat, befindet sich auf der Heimreise und wird von seinen Schwestern freudig erwartet.

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„Wer schweigt stimmt zu“ titelt Prof. Ulrike Guérot, die hochgescheite und leider vielfach diffamierte Politikwissenschaftlerin und Vordenkerin einer europäischen Republik ihr neuestes Buch, ein flammendes Plädoyer für die Überwindung der durch die Coronapandemie bedingten Krise, in die wir weltweit geraten sind. Und sie lädt nachdrücklich dazu ein, dass wir wieder ins Gespräch miteinander kommen – wir, das sind die über den Umgang mit dem Virus auseinander gedrifteten, ja „gespaltenen“ Gesellschaften und Gemeinschaften Europas. Sie lässt keinen Zweifel daran, was alles in den vergangenen zweieinhalb Jahren „abgeräumt“ wurde und welche Züge in Richtung „paratotalitäre“ Systeme bereits abgefahren sind. Dennoch hält sie daran fest, dass wir die lange gereifte Vorstellung und Praxis von Menschlichkeit, Menschenwürde und Demokratie noch retten können.

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Predigtgedanken zu Lk 1, 39-56 im Requiem für Walter K.


Das Evangelium, das im berühmten „Magnificat“ gipfelt, wird am Fest Mariä Heimsuchung (2. Juli) gelesen.
Warum habe ich es für die Eucharistiefeier zu Walters Beerdigung ausgewählt, die eine Dankesfeier für sein Leben sein soll?
Sicherlich nicht, weil das Leben von Walter einige Heimsuchungen aufweist, die ihm schwer zugesetzt haben. Eher schon wegen der Gipfelerfahrungen oder peak experiences, zu denen sie ihn führten.

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Die Welt, die wir im Außen erleben, ist ein Abbild unserer Innenwelt. Wenn da gewaltige Umbrüche zu sein scheinen, sind sie vor allem im eigenen Inneren anzutreffen. Die Schnittmengen der jeweiligen Innenwelten mit der äußeren „objektiven“ Realität sind so subjektiv, dass sich kaum von einer gemeinsamen Außenwelt reden lässt. Sie auszublenden gelingt manch einem so perfekt, dass sie gar nicht zu existieren scheint. So lebt tatsächlicher jeder Mensch in seiner eigenen Welt, und es ist ein tägliches Wunder, dass und wie diese zahlreichen individuellen Welten nebeneinander existieren können.

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