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Amulette spielen im Leben der Menschen von jeher eine bedeutsame Rolle – selbst dann, wenn ihre magische Wirkung von ihrer Ratio verworfen wird.
In der jüdischen Geschichte, wie sie im Buch Numeri erzählt wird, spielt eine von Moishe im Auftrag יהוה gefertigte kupferne Schlange eine Rolle, die das Volk G‘ttes in der Wüste vor dem Tod durch Schlangenbisse bewahren sollte (Num 21, 6). Die Hilfe kam durch die Umkehr des Volkes zu יהוה, durch die Fürsprache des Moishe und das Vertrauen derer, die seiner Anweisung folgten, indem sie zu dem an einer Stange befestigten Idol hinaufschauten. Noch in viel späterer Zeit (2 Kön 18, 4) wurde angeblich, wohl in Erinnerung an die Schlange in der Wüste, vom Volk in Jerusalem ein Schlangenidol verehrt; König Hiskija hat es entfernen lassen.
Problematisch werden bildhafte Objektivierungen bzw. Vergegenständlichungen von Wünschen und Vorstellungen, wenn sie kultisch verehrt werden, wenn ihnen also eine eigene, vom Menschen unabhängige, quasi autonome göttliche Wirkkraft zugeschrieben wird. Sie fehlt ihnen jedoch gänzlich!
Einzig das persönliche Vertrauen, das eine*r aufbringt, ist das Agens in jedem Wirkungszusammenhang mit dem Idol. Idolatrie ist daher ein absolutes „No-go“ jeder ernstzunehmenden Religion oder spirituellen Aspiration. Das Vertrauen soll immer nur dem geschenkt werden, wofür das sichtbare („Heils“-)Zeichen steht, worauf es hinweist! Die wahre Heilsverheißung liegt in der Liebenden Präsenz, in יהוה! Alles andere stiftet nur Unheil.

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Heute, am 8. September, kommen drei Zeiten zusammen, die für mich als interreligiösen Dialogbegleiter von Bedeutung sind: der zweite Tag von Rosh Hashanah, dem jüdischen Neujahrsfest (2. Tishrei 5782); die katholischen, orthodoxen und anglikanischen Kirchen feiern heute das Fest der Geburt Mariens; Sri Nisargadatta Maharaj, mein hochverehrter indischer Guru, starb heute vor 40 Jahren.

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