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Worauf kommt es heute an? Wenn wir die „Zeichen der Zeit“ richtig deuten und „das rechte Urteil“ finden wollen, müssen wir genau hinschauen. Schlimmer als jede Pandemie-Entwicklung ist die immer weiter voranschreitende Spaltung der Gesellschaft. In dieser Situation ist vor allem eines wichtig: dass wir uns einigen (vgl. Lk 12, 56-58)!
Sich zu einigen bedeutet aber nicht, sich zu „uniformieren“ – unity can never be uniformity! Einigung kann nur gelingen, wenn wir die Einheit in der Vielfalt sehen und anstreben.
Es ist die faschistische Versuchung unserer Tage, dass wir meinen, wir kämen der Lösung unserer vielfältigen Probleme näher, indem wir alle Menschen über einen Kamm scheren.
Selbst der chinesischen Regierung gelingt es nicht, obwohl sie damit unter wechselnden Vorwänden schon sehr weit gekommen ist…Diese Art von Einheit ist immer von außen aufoktroyiert und braucht den Gegensatz zwischen Mächtigen und Ohnmächtigen; sie unterliegt einem atavistischen Herrschaftsstreben, das dem Menschen zwar immer noch innewohnt, aber weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

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Jesus verkündet und bezeugt mit seinem Leben, dass, was er anbetet (vgl. Joh 4, 22), präsent ist – mitten unter uns, inwendig in uns; und er fordert uns auf, uns auf dieses liebevolle GegenwärtigSein einzulassen. Seine Bilder dafür sind „Umkehr“, „Reich G’ttes“, „Nahesein“, „Vater“ und „barmherzig sein“, „vollkommen (heilig) sein“.

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Es gibt Menschen, mit denen es schwer bis unmöglich ist, auf einen grünen Zweig zu kommen. Es „matcht“ einfach nicht, neudeutsch gesprochen. Die Schnittmengen der Interessen, Bedürfnisse, Vorlieben etc. sind klein und ließen sich selbst bei bestem Willen nur wenig vergrößern. Schon allein das Miteinander-Reden „funktioniert“ nicht. Der gute Wille, zusammenzukommen und zu harmonieren, mag durchaus vorhanden sein, aber die Momente echter Übereinstimmung sind einfach zu rar. Sie lassen sich im Grunde auch gar nicht herstellen. Auf kurzen stimmigen Zeiten lässt sich keine glückende und beglückende dauerhafte Beziehung, Freundschaft, Partnerschaft aufbauen.
Meist herrscht der „Frust“.
Da hilft letztlich nur die Einsicht in die Vergeblichkeit der Bemühung und die Anerkennung der bitter-traurigen Wirklichkeit, dass „es“ nicht geht und „mit uns beiden“ nichts wird. Und zwar ohne dass einer/eine „schuld“ wäre oder böswillig und lieblos. Mehr als freundlich-nachbarschaftliches Einander-Anerkennen und –Lassen ist nun einmal nicht „drin“!

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Erfreulich ist, sich mit Menschen zu treffen, die sich ihr Selbstgefühl bewahrt haben und auf das verlassen, was ihnen ihre Sinne mitteilen anstatt auf das, was ihnen über die Medien gesagt und gezeigt wird.

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Vor der ersten Niederwerfung am Morgen vollziehe ich einen Lichtritus, mit dem ich mich daran erinnere, dass Jesus der Christus das Licht ist. Ich halte in jeder Hand ein brennendes Teelicht, und während ich mich jeweils in eine der vier Himmelsrichtungen verneige, singe ich „Lumen Christi – Deo gratias“ in der Melodie, die bei der katholischen Osternachtfeier in Gebrauch ist.
Da ich gen Osten beginne, höre ich nach Süden gewandt auf. Die Lichter hocherhoben singe ich dann: „Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit“. Bei dem Ruf „Christus König“ erhebe ich die Lichter noch etwas höher, und beim letzten Ruf drehe ich mich einmal um meine eigene Achse.
Dann stelle ich eines der Lichter auf meinen Marienaltar vor die Madonna mit dem lachenden Kind und singe ihr das „Sub tuum praesidium confugimus“. Das zweite Licht trage ich vor meinen Dreifaltigkeitsaltar, verneige mich und stelle es in die tönerne Lichterschale aus Südamerika, die von fünf sich gegenseitig mit den Armen umfassenden Menschenkindern umringt ist.

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