110

Die Vollkommenheit eines Menschen besteht darin, dass er/sie die eigene Unvollkommenheit erkennt und anerkennt. Nicht die Perfektion, die vollendete Gegenwart, das „Perfekt“, macht den Reifegrad eines Menschen aus, sondern das Imperfekt, die Geschichte, deren Ausgang noch offen ist, das Noch-Unvollendetsein.

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109

Sokrates gilt in vielerlei Hinsicht als einer der weisesten Männer der abendländischen Geistesgeschichte. Sein wohl bekanntester Ausspruch lautet: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Kaum bekannt ist allerdings, dass der Satz korrekt übersetzt lautet: „Ich weiß, dass ich nicht weiß“. Das Bewusstsein vom eigenen Nichtwissen hindert uns daran, uns in Meinungen und Informationen festzufahren, uns an einmal Gewusstes zu klammern und es für unhinterfragbar zu halten.

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107

Niemand hat es leicht in diesen pandemisch-verrückten Zeiten. Wer sich den jeweiligen G-Regeln (geimpft, genesen, getestet) und den sonstigen „Hygiene-Vorschriften“ anpasst, kann mit Vergünstigungen rechnen.

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106

Das Grunddatum des jüdischen Glaubens ist die Selbstoffenbarung der Gottheit als Ich-bin-da-bei-euch: יהוה . Sie geschah dem aus Ägypten geflohenen Hebräer Mose an einem Dornbusch in der Wüste, der zu brennen schien und doch nicht verbrannte. Durch sie wurde Mose zugleich der Befreier seines Volkes aus der Sklaverei und Stifter der jüdischen Religion. In ihrer ganzen Geschichte bis zum heutigen Tag halten ihre Anhänger an diesem Namen fest und vertrauen darauf, dass יהוה allezeit bei ihnen ist, mit ihnen und dem ganzen Volk Israel wandert – wo auch immer…

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105

Ein arabisches Sprichwort lautet: „Zehn Gebote hat die Weisheit: Neunmal: Schweig! und einmal: Rede wenig!“.
Wer also weise werden will, sollte viel schweigen. Beim Schweigen öffnen sich nämlich die Ohren und fangen an zu hören. Hören können wir nur, wenn wir schweigen. Deshalb ist ein Grundgebet des jüdischen Glaubens, das „Sch’ma Israel“ (Höre, Israel!), in erster Linie eine Einladung zum Stillewerden und Hören.
Im Stillesein und Hören geht uns die Größe und Einzigartigkeit des Allgegenwärtigen, יהוה ICHBINDA, auf.
Wir erfahren, dass alles, was ist, von Liebe durchwirkt ist; dass Liebe alles ist und alles Liebe; dass in der Liebe alles eins ist.
Diese Erfahrung nährt die Weisheit in uns und motiviert uns, uns selber auch liebevoll zu vergegenwärtigen. Denn wie anders könnte man auf eine so überwältigende Erfahrung antworten!

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